Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 121/10
Magdeburg, den 9. März 2010
Auswärtige Kabinettssitzung in
Köthen/ Ministerpräsident Böhmer: Landkreis mit starker Wirtschaft
Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt ist heute
unter der Leitung von Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer zu einer
auswärtigen Kabinettssitzung in Köthen zusammengekommen. Neben allgemeinen
Themen standen auch Regionalthemen wie die wirtschaftliche, infrastrukturelle,
kulturelle, soziale, landwirtschaftliche und umweltpolitische Entwicklung in
der Stadt und im Landkreis Anhalt-Bitterfeld auf der Tagesordnung. Böhmer
betonte: „Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld gehört zu den wirtschaftlich
stärksten in unserem Land. Dazu hat auch die Wirtschaftsförderung einen
wichtigen Beitrag geleistet. Damit die Region eine gute Zukunft hat,
investieren wir aber auch in Bildung und Kultur und treiben den Stadtumbau
voran.“
Anhalt-Bitterfeld – Landkreis mit starker
Wirtschaft
Anhalt-Bitterfeld ist einer der wirtschaftlich stärksten
Landkreise Sachsen-Anhalts. Fast ein Siebtel aller Industriebeschäftigten
des Landes arbeitet zwischen Bitterfeld, Köthen und Zerbst – das ist der
höchste Anteil aller Kreise. Auch auf dem Arbeitsmarkt ist die Entwicklung
positiv: Die Zahl der Arbeitslosen lag im Februar trotz Wirtschaftskrise um
14,7 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Damit ist der Kreis beim Abbau der
Arbeitslosigkeit landesweit Spitze.
Möglich wurde dies auch durch zahlreiche
Ansiedlungen der vergangenen Jahre. Ein aktuelles Beispiel kommt aus dem
ChemiePark Bitterfeld-Wolfen, wo erst im Januar der erste Spatenstich für eine
Millioneninvestition der Lanxess AG gesetzt wurde. Das neue Chemiewerk soll 30
Millionen Euro kosten und bis zu 200 neue Arbeitsplätze bringen. Der norwegische
Investor Vetro Solar hat Mitte Oktober mit dem Bau einer Fabrik zur Veredelung von Solarglas begonnen. Mehr als 30
Millionen Euro sollen investiert und 70 neue Jobs geschaffen werden.
Insgesamt wurden seit 1991 im Landkreis
Anhalt-Bitterfeld fast 700 Investitionsvorhaben der gewerblichen Wirtschaft
mit rund 800 Millionen Euro aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der
regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) gefördert. Dadurch wurden Investitionen
im Umfang von knapp 4,18 Milliarden Euro angeschoben und mehr als 34.000
Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert. Davon entfallen auf Köthen mehr als
3.100. Hier wurden 82 Projekte mit einem Volumen von 139 Millionen Euro mit
30,1 Millionen Euro bezuschusst.
Auch in Forschung und Entwicklung
stehen die Unternehmen aus dem Landkreis sehr gut da. Fast ein Fünftel der
Bewilligungen für die entsprechende Landesförderung ging im vergangenen Jahr
hier her – von insgesamt knapp 47 Millionen Euro waren es 9,2 Millionen. Damit
belegt der Kreis landesweit Platz 2.
Stadtumbau kommt voran – Köthen
und Bitterfeld-Wolfen IBA-Standorte
Der Stadtumbau im Landkreis
Anhalt-Bitterfeld ist in den vergangenen acht Jahren mit rund 36,6 Millionen
Euro gefördert worden. Für den Rückbau von fast 8.000 dauerhaft leer
stehenden Wohnungen sind seit dem Jahr 2002 rund 26 Millionen und für
Aufwertungsmaßnahmen 10,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Allein
in Köthen ist im gleichen Zeitraum der Abriss von knapp 1.300 Wohnungen mit
rund 4,3 Millionen Euro gefördert worden.
Im Rahmen der verschiedenen
Städtebauförderprogramme wurden dem Landkreis in den Jahren 1991-2009 insgesamt
rund 480,3 Millionen Euro bereitgestellt. Knapp 31 Millionen Euro davon
sind in die Sanierung der Köthener Innenstadt geflossen.
Mit Köthen und Bitterfeld-Wolfen
gehören gleich zwei Kommunen im Landkreis zu den 19 Städten, die sich mit einem
eigenen Thema an der IBA beteiligen. Unter dem Motto „Homöopathie als Entwicklungskraft“
arbeitet die Stadt Köthen an einem strategischen Profil, das auf den Bereich
der Gesundheit als Wirtschaftsfaktor von wachsender Bedeutung setzt. Das Thema von Bitterfeld-Wolfen „Netzstadt“
setzt sich mit den Folgewirkungen des im Jahr 2007 vollzogenen
Zusammenschlusses der ehemals eigenständigen Kommunen mit weiteren drei
Gemeinden auseinander. Ziel ist es, ein modernes kommunales Management und ein
positives Image für die viertgrößte Stadt Sachsen-Anhalts und den
Wirtschaftsstandort Bitterfeld-Wolfen zu entwickeln.
Im Landkreis wurden über die
Programme Dorferneuerung, Dorfentwicklung und Umnutzung in dieser
Förderperiode 182 Anträge und damit Fördermittel in Höhe von vier Millionen
Euro bewilligt.
Straßenbau: Weitere Verbesserung
der Infrastruktur
Mit einem Investitionsvolumen von
rund 38 Millionen Euro und einer Streckenlänge von fast 14 Kilometern gehört
der Neubau der Ortsumfahrung (OU) Köthen (B6n) zu den wichtigsten
Vorhaben in der Region. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren zur
Baurechtschaffung, was noch im I. Quartal dieses Jahres abgeschlossen
werden soll. Die Finanzierung wird aus Mautmehreinnahmen sicher gestellt.
Vielfältige Bildungslandschaft
Das Schulnetz im Landkreis
Anhalt-Bitterfeld ist ausgewogen und voraussichtlich über 2020 hinaus
verlässlich. Im laufenden Schuljahr 2010/11 gibt es im Landkreis 41 Grundschulen,
11 Sekundarschulen, 8 Förderschulen und 4 Gymnasien. Zum 31.7. werden zwei
Einrichtungen am Mehrfachstandort Bittelfeld- Wolfen geschlossen. Weitere
Schließungen sind nicht vorgesehen.
Aus der EU- Schulbauförderung
(ELER, EFRE) haben in der ersten Runde mit 12 Antragstellern aus dem Landkreis
Anhalt-Bitterfeld drei Projekte eine Förderung erhalten (Grundschule Zörbig,
Grundschule „A. Lindgren“ Zerbst, Sekundarschule Raguhn). Entscheidende
Kriterien für die Auswahl waren die Prioritätenliste des Kreises und das
pädagogische Konzept.
Zum Wintersemester 2009/2010 haben
insgesamt 1.500 Studienanfängerinnen und -anfänger ein Studium an der
Hochschule Anhalt (FH) begonnen. Besondere Nachfrage galt den Studiengängen
Maschinenbau am Standort Köthen und Landwirtschaft am Standort Bernburg. Seit
ihrer Gründung widmet sich die Hochschule Anhalt auch der
anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung. Ein Schwerpunkt liegt im
Bereich Life Sciences am Standort Köthen, an dem die Studiengänge
Biotechnologie und Lebensmitteltechnik großen Anteil haben.
Im Rahmen des ERASMUS- Programms hat
die Hochschule Anhalt insgesamt 86 Verträge mit ausländischen
Hochschuleinrichtungen geschlossen. In diesem Zusammenhang sind weitere
attraktive Studienangebote für deutsche und ausländische Studierende entwickelt
worden. In den Fachbereichen Elektrotechnik, Maschinenbau und
Wirtschaftsingenieurwesen wurden im Wintersemester 2009/2010 insgesamt 263
ausländische Studierende registriert.
Zu den Baumaßnahmen an der
Hochschule Anhalt gehört das „Grüne Gebäude“ (Gebäude 02 - Mitteltrakt und
Hörsaal). Mit Unterstützung des Landes kann dessen Sanierung bis zum
Wintersemester 2011/12 abgeschlossen und dann einer vollständigen Nutzung
übergeben werden.
Förderung kultureller Projekte
In die kulturelle Förderung im
Landkreis Anhalt-Bitterfeld sind für verschiedene Bereiche im Jahr 2009
insgesamt 419.500 Euro Landesmittel geflossen. Weiterhin wurden aus dem
Konjunkturprogramms (KII) Fördermittel des Bundes und des Landes in Höhe von
insgesamt 997.500 Euro für die Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt zur
Schaffung von Räumlichkeiten im Köthener Schloss für die Musikschule „Johann
Sebastian Bach“ bereit gestellt. Um die weitere Sanierung des Schlosses Köthen
sowie der Außenanlage zu ermöglichen, wurden Landesmittel in Höhe von 450.000
Euro und Bundesmittel in Höhe von 112.000 Euro bereit gestellt.
Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt
außerdem die Stadt Zerbst und deren Förderverein zur Erhaltung des Schlosses
und zur Wiederherstellung der historischen Räume für die Öffentlichkeit. 2009
gab es dafür 37.500 Euro.
Seit 1994 erhält das Museum Synagoge
Gröbzig jährlich eine institutionelle Förderung von 65.300 Euro. Ziel ist es,
den in Deutschland einmaligen Synagogenkomplex zu erhalten, der Teil der
jüdischen Kultur der Region ist.
2012 begeht die Stadt Köthen zusammen
mit fünf weiteren Orten des Landkreises das Jubiläum „800 Jahre Anhalt“.
Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz sowie Wirtschaftsminister Dr.
Reiner Haseloff werden im Kuratorium zu diesem Jubiläum mitwirken. Die am Fest
beteiligten Städte erarbeiten eine Wanderausstellung, die mit 48.125 Euro aus
dem Konjunkturprogramm (KII) gefördert wird.
Im Rahmen des Förderschwerpunktes „Musikschulen“
werden die Musikschulen Johann Sebastian Bach (Köthen, 56.406 Euro), Johann
Friedrich Fasch (Zerbst, 38.054 Euro) und Gottfried Kirchhoff (Bitterfeld-
Wolfen, 91.035 Euro) unterstützt.
Ein Förderschwerpunkt im Bereich
Bibliotheken ist das Projekt „Bildung eines Netzwerkes zur Leseförderung im
Landkreis Anhalt-Bitterfeld“. 2009 erhielt es 30.000 Euro aus Landesmitteln.
Investitionen in die
Kinderbetreuung
Mit verschiedenen
Investitionsprogrammen unterstützt das Land den qualitativen Ausbau der
Kita-Landschaft im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Derzeit werden Projekte in
einem Umfang von etwa 5,4 Millionen Euro realisiert. Dazu zählen unter anderem
Investitionen für Kindertageseinrichtungen über das Konjunkturprogramm II des
Bundes. In der Stadt Zörbig werden diese Mittel für den Ersatzneubau des Hortes
Zörbig eingesetzt. Hier entstehen Gesamtkosten von rund 1,06 Millionen Euro.
Land und Bund übernehmen davon etwa 930.000 Euro.
Darüber hinaus werden zwei Projekte
aus EU-Mitteln kombiniert mit Bundesmitteln in Höhe von rund 2,52 Millionen
Euro finanziert. Die Kindertagesstätte „Spatzennest“ in Köthen und die Kita
„Borstel“ in Sandersdorf-Brehna werden umfassend saniert.
Über das Bundesprogramm zum Ausbau
von Krippenplätzen fließen etwa 1,76 Millionen Euro in den Ersatzneubau der
Kindertagesstätte „Glückspilz“ in Sandersdorf. Sie wird Platz für 120 Kinder
bieten. Davon stehen 62 zur Betreuung der Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren
zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um ein Investitionsprojekt mit einem
Wirtschaftsunternehmen.
Zur Sicherung der Kinderbetreuung
im Landkreis wird das Land in diesem Jahr einen Pauschalbetrag von knapp 11,5
Millionen Euro überweisen. Im Landkreis werden 8.772 Kinder von der Geburt bis
zum Hortalter betreut.
Für eine saubere Umwelt
Die Landesanstalt für
Altlastenfreistellung (LAF) steuert und refinanziert derzeit im Landkreis
Anhalt-Bitterfeld mehrere Einzelprojekte, darunter z. B. das Ökologische
Großprojekt (ÖGP) Bitterfeld-Wolfen sowie Maßnahmen im Industriepark
Weißandt-Gölzau. Bisher hat das Land Sachsen-Anhalt für alle Maßnahmen zur
Untersuchung, Sicherung und Sanierung von Altlasten im Landkreis
Anhalt-Bitterfeld fast 238 Millionen Euro ausgegeben; allein für das ÖGP ca.
230 Millionen Euro.
Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld nehmen
neun Abwasserzweckverbände die Aufgabe der Abwasserbeseitigung wahr. Durch die
Zusammenarbeit von kleineren Zweckverbänden sind bereits größere und damit
weitgehend leistungsfähige Strukturen in der Abwasserbeseitigung entstanden.
Der Abwasserzweckverband (AZV) Westliche Mulde, der AZV Raguhn-Zörbig und der
AZV Schmerzbach haben ca. 48 Millionen Euro an Sanierungs- und
Teilentschuldungshilfe erhalten und sollen nun die zu ihrer Konsolidierung
erforderlichen Maßnahmen umzusetzen.
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